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IBS Blog

KI, Bildung und Arbeitsmarkt: Weiterbildung wird zur Schlüsselkompetenz

Prof. Dr. Patrick Glauner ist Professor für Künstliche Intelligenz an der Technischen Hochschule Deggendorf und Gründer sowie Geschäftsführer der KI-Beratung skyrocket.ai GmbH. An der IBS Akademie unterrichtet er im Masterstudium International Business Management in der Vertiefung AI & Digitale Transformation.

Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitswelt mit einer Geschwindigkeit, auf die viele Bildungseinrichtungen bislang nicht ausreichend vorbereitet sind. Dabei ist die entscheidende Frage nicht, ob KI Arbeitsplätze „wegnehmen“ wird. Technologie hat Tätigkeiten schon immer verändert, automatisiert und neue Berufsbilder hervorgebracht. Entscheidend ist vielmehr, welche Kompetenzen Menschen benötigen, um in einer zunehmend KI-geprägten Arbeitswelt erfolgreich zu bleiben.

Das zeigt sich derzeit besonders deutlich in der Softwareentwicklung. KI kann heute bereits zahlreiche Aufgaben übernehmen, die früher typischerweise Berufseinsteigern übertragen wurden. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass Softwareentwickler überflüssig werden. Im Gegenteil: Entwicklung, Architektur, Anforderungsmanagement, Qualitätssicherung oder der zuverlässige Betrieb komplexer Systeme erfordern weiterhin fundiertes Fachwissen. Was sich verändert, ist die Produktivität. Wer KI sinnvoll einsetzen kann, wird viele Aufgaben schneller und besser erledigen als jemand, der darauf verzichtet. Vereinfacht gesagt: Nicht KI ersetzt den Menschen – Menschen, die KI einsetzen können, werden zunehmend diejenigen ersetzen, die es nicht tun.

Genau hier entsteht eine der großen Herausforderungen unseres Arbeitsmarktes. Einerseits beklagen Unternehmen einen Mangel an qualifizierten Fachkräften. Andererseits haben gerade junge Absolventinnen und Absolventen teilweise erhebliche Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. Dieser scheinbare Widerspruch lässt sich nicht allein durch die Konjunktur erklären. Berufsbilder verändern sich vielfach schneller als Studiengänge und Ausbildungsangebote. Wenn Absolventen zwar formal qualifiziert sind, ihre Kenntnisse aber nicht mehr ausreichend zu den Anforderungen der Unternehmen passen, entsteht Fehlqualifikation statt Fachkräftemangel.

Bildung muss deshalb deutlich dynamischer werden. Ein Studium oder eine Berufsausbildung kann heute nicht mehr als einmalige Qualifizierung für die kommenden 40 oder 50 Berufsjahre verstanden werden. Digitalisierungskompetenzen müssen kontinuierlich weiterentwickelt werden, wenn Menschen und Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben wollen. Diesen Grundsatz habe ich bereits vor einigen Jahren formuliert: In einer sich digitalisierenden Wirtschaft müssen sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen moderne Kompetenzen erwerben und sich laufend weiterbilden.

Dabei brauchen wir beides: solide Grundlagen und aktuellen Praxisbezug. Kurze Schulungen und einzelne KI-Tools ersetzen kein fundiertes Verständnis eines Fachgebiets. Umgekehrt reicht es ebenso wenig, ausschließlich Wissen zu vermitteln, das vor zehn oder zwanzig Jahren relevant war. Gerade KI, Digitalisierung und verwandte Themen dürfen in keiner Ausbildung und Weiterbildung mehr Randthemen sein. Lehrangebote müssen regelmäßig hinterfragt, modernisiert und eng mit den tatsächlichen Anforderungen der Berufswelt verzahnt werden.

Für berufstätige Menschen gewinnt deshalb insbesondere die berufsbegleitende Weiterbildung an Bedeutung. Wer bereits im Berufsleben steht, verfügt über etwas, das keine KI und kein Lehrbuch ersetzen kann: Erfahrung, Kontextwissen und Verständnis für reale Prozesse. Werden diese Fähigkeiten mit aktuellem Wissen zu KI und digitaler Transformation verbunden, entsteht ein besonders wertvolles Kompetenzprofil.

Mein Fazit ist daher optimistisch:

KI macht Bildung nicht weniger wichtig, sondern wichtiger denn je. Allerdings verändert sich, was wir lernen, wie schnell wir Neues lernen müssen und wie eng Bildung und berufliche Praxis miteinander verbunden sein sollten. Die Gewinner dieser Transformation werden diejenigen Menschen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen sein, die KI nicht als optionale Zusatzqualifikation verstehen, sondern als selbstverständlichen Bestandteil des Berufslebens.


Zur Person

Prof. Dr. Patrick Glauner

ist Professor für KI an der TH Deggendorf und hat als Sachverständiger das Europäische Parlament, die Parlamente von Deutschland, Frankreich und Luxemburg und die Interparlamentarische Union zu den sich aus KI ergebenden politischen und rechtlichen Fragestellungen beraten. Er studierte am Imperial College London und war unter anderem bei der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) und der Krones AG tätig.


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